Keine(r) kommt mit Nichts

Geflüchtete erzählen ihre Lieblingsmärchen und -Fabeln

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Niemandem fällt es leicht, seine Heimat zu verlassen. Dennoch sah sich in diesem Jahr eine zuvor lang nicht dagewesene Anzahl von Menschen zu diesem Schritt gezwungen – Geflüchtete aus der ganzen Welt machen sich auf den beschwerlichen Weg nach Deutschland, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben ohne Gewalt, Krieg und Perspektivlosigkeit. Hierbei erachten wir es als besonders wichtig, dass in Deutschland ein Dialog zwischen den Geflüchteten und den Einheimischen entsteht, um zu verhindern, dass sich Parallelgesellschaften entwickeln und sich Fremdenhass verbreitet.

Wir denken, dass ein solcher Dialog nicht nur beinhalten sollte, den Geflüchteten die Kultur des Aufnahmelandes zu vermitteln, sondern auch umgekehrt, dass diese Menschen, die aus der ganzen Welt ihre Geschichtsschätze mitbringen, uns mit ihren Fabeln und Märchen bereichern können. So manifestieren doch ebendiese Geschichten die Werte und Bräuche des jeweiligen Landes und geben einen besonderen Einblick in die jeweilige Kultur, was ein gegenseitiges Kennenlernen fördern kann. Dennoch steht nicht ausschließlich das Kennenlernen des „Anderen“ im Fokus unserer Arbeit. Denn gerade auch im Erkennen von Gemeinsamkeiten sehen wir Möglichkeiten zur interkulturellen Verständigung und Annäherung: jeder und jede kennt Märchen und diese Märchen bzw. die Erzählsituationen haben wichtige Bedeutungen für uns alle.

Mit unserem Team möchten wir auf verschiedenen Wegen Geschichten sammeln – sei es im Sprachunterricht („Deutsch als Fremdsprache“), bei Einzelgesprächen mit Geflüchteten oder im Rahmen eines gemütlichen Beisammensitzen in schöner Atmosphäre, bei dem jeder und jedem ein offenes Ohr geschenkt wird, wer auch immer etwas zu erzählen hat. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass man sich mit gegenseitigem Respekt begegnet. Bewusst haben wir uns dazu entschieden, Fabeln und Märchen zu sammeln, die auf die kulturellen Wurzeln zurückgehen und keine Fluchtgeschichten sind – es geht uns darum zu zeigen, dass diese interessanten Menschen aus aller Welt mehr sind als die „Flüchtlinge“, die heute in aller Munde sind.
Um die gesammelten Märchen und Fabeln anschließend einem breiten Publikum und vor allem den Kindern bereitzustellen, möchten wir ein Buch gestalten, in dem ausgewählte Geschichten gedruckt und von uns illustriert werden. In diesem Buch wird es zudem Hinweise auf das jeweilige Herkunftsland, verbunden mit Einblicken in die jeweilige „Märchenerzähltradition“ geben. Dies sehen wir als eine Möglichkeit, den Dialog in der Bevölkerung zu fördern und gegenseitiges Interesse und Verständnis zu schaffen. Sollten genügend spielbare Geschichten zusammenkommen, kann es auch zu einem größeren Folgeprojekt kommen, mit Aufführungen in Schulen und anderen Einrichtungen.

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